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Der CSI-Effekt...

CSI-Effekt

Die Ermittler haben vierundzwanzig Stunden Zeit, einen Mordfall neu aufzurollen, der wegen unzulässiger Beweisermittlung geschlossen werden soll. Unmöglich? Nicht bei "CSI". In ultraviolettem Licht erstrahlen unsichtbare Samenspuren, das Massenspektrometer identifiziert eine Substanz an den Handgelenken des Opfers: Die forensischen Experten im Fernsehen bringen den wahren Täter vor Gericht.

Ermittlungsserien wie "CSI" (Crime Scene Investigation) zählen zu den meistgesehenen Sendungen des amerikanischen Fernsehens. Mit modernster Technik werden hier Fußspuren, Fingerabdrücke, Lippenstiftreste, Patronenhülsen, Blutflecken und DNS-Proben analysiert, die am Tatort zurückblieben. Nach vierzig Minuten ist der Täter überführt.

Inzwischen hat das Einfluß auf die Gerichte im Land. Justizbedienstete klagen, daß die Schöffen zur Urteilsfindung zunehmend Beweislagen erwarteten, wie es sie nur im Serienfernsehen gibt. Auf den Geschworenenbänken in amerikanischen Gerichten sitzen immer mehr "CSI"-Zuschauer, die an die Realität Fernsehmaßstäbe anlegen. Schon ist die Rede vom "CSI-Effekt" im Gerichtssaal.

"Die Technik, die in der Serie zum Einsatz kommt, gibt es tatsächlich", sagt Dean Wideman, forensischer Experte aus San Antonio in Texas. "Aber wir haben selten alle Details, die wir gern hätten. Bei ,CSI' wird in jeder Sendung ein Fall gelöst. Im Leben passiert das nun mal nicht." Zudem sei forensische Beweisführung teuer. 1500 bis 3000 Dollar koste allein eine DNS-Analyse. "In den meisten Großstädten verfügt die Polizei über High-Tech-Labore und ein ausreichendes Budget", sagt Wideman, "aber auf dem Land ist man für forensische Recherche oft weniger gut ausgerüstet."

[...]

Lotstein beschreibt einen Fall in Phoenix, in dem der Jury-Vorsitzende die Schöffen bedrängte, bei "CSI" würden immer Fingerabdrücke gesichert. Da keine Fingerabdrücke als Beweismittel zur Verfügung standen, sprach die Jury den Angeklagten schließlich frei, obwohl sich dieser zum Besitz des Gegenstandes bekannt hatte, um den es ging. Und wie die "Detroit Free Press" berichtet, hatte bereits vor knapp drei Jahren ein Staatsanwalt in Illinois Mühe, bei einem einfachen Einbruchsfall den "CSI"-Effekt zu überwinden, als er weder Fingerabdrücke noch Stoffreste oder DNS-Spuren präsentieren konnte. Obwohl diese Art der Beweisführung hier völlig irrelevant war, erwarteten "CSI"-Zuschauer offenbar eine magische Patronenhülse.


Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.August 2004, Titel:"Wenn Polizeiarbeit sein muß wie im Fernsehen" von Nina Rehfeld
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